Unter dem Begriff "Gerben" versteht man eine Stufe der Bearbeitung unter vielen anderen. Mit dem Gerben will man die Fäulnisfähigkeit der tierischen Haut verhindern. Das daraus entstehende Produkt kann jedoch in dieser Form nicht verarbeitet werden, es fehlen dem nun gegerbten Leder noch alle jene Eigenschaften, die eine bestimmte Lederart auszeichnet. Man kennt verschiedene Gerbarten.
Die Grubengerbung ist die älteste Gerbmethode. Sie wird heute praktisch nicht mehr angewendet, da sie zu zeitaufwendig ist. Zudem muss der Gerber verschiedene Risiken einkalkulieren wie Schimmelbefall, schlechte Kontrolle der Gerbstoffkonzentration usw.
Die Durchführung der Grubengerbung erfolgt in eichenholzverschalten oder betonierten Gruben von 2 bis 3 Meter Tiefe und doppeltem Boden. In diese legt man etwa 80 vorbereitete Blössen (geäscherte Häute), überstreut sie Schichtweise mit Lohe (zerkleinerte Baumrinde von Tannen, Eichen, Kastanien oder Mimosen) und deckt die Grube mit Brettern ab, die mit Steinen beschwert werden. Danach lässt der Gerber Wasser zufliessen, bis die Grube gefüllt ist. Das Wasser entzieht der Lohe allmählich den Gerbstoff, der von den Blössen aufgenommen wird. Die Gerbung dauert 12 - 20 Monate. Während dieser Zeit müssen die Häute öfters versetzt werden, d.h. umgeschichtet werden, da nach 6 - 8 Wochen die Lohe ausgelaugt und der Gerbstoff aufgezehrt ist. Die Brühe wird abgepumpt, die Blössen aus der Grube genommen und in einer neuen Grube neu eingestreut. Das gare Leder erkennt man am gleichmässig dunklen rotbraunen Schnitt. Für den Gerber ist es wichtig, zuerst mit schwachen Gerbbrühen anzugerben und die Gerbstoffkonzentration erst in den folgenden Brühen zu steigern. Ist die erste Brühe zu stark, füllen sich die Aussenschichten der Haut rasch mit Gerbstoff und lassen diesen später nicht nach innen dringen. Es entsteht ein Speckstreifen.
Diese Gerbart wird nur noch selten angewandt, da sie aus Platzgründen und vor allem aus Kostengründen (Lagerhaltung von gegen 2 Jahre) zu teuer käme.
Um die enorm lange Gerbzeit und damit die lange Bindung von sehr viel Kapital zu verkürzen, hat der Gerber eine neue Methode zur Gerbung verwendet; der Farbengang.
Unter Farbengang verstehen wir ein System von 6 - 12 Gruben hintereinander, von denen jeweils die letzte mit frischer Brühe gefüllt wird, also die stärkste Brühe enthält, und die erste Grube die schlechteste Brühe aufweist. Im Farbengang wird nicht mit Lohe gearbeitet, sondern mit Gerbeextrakten. Die frischen Blössen werden zuerst in die Grube 1 mit der schwächsten Brühe und dann im Abstand von ca. 2 Tagen immer in stärkere Brühen der folgenden Gruben gehängt. Die Gruben sind meist durch ein Ueberlaufsystem miteinander verbunden, so dass die Brühe, die bisher z.B. in Grube 3 war, nun in Grube 2 gebracht werden kann. Das Wechseln der Häute von einer zur anderen Grube erfolgt entweder einzeln von Hand oder geschlossen durch einen Laufkran.
Die Fassgerbung
Um die nach wie vor langen Gerbzeiten noch weiter zu verkürzen, bringt der Gerber heute die Blössen in ein drehendes Gerbfass mit Extraktbrühe. An den Innenwänden dieser Fässer sind Schaufeln angebracht, die die Häute mitnehmen und von oben in die Fassbrühe zurückfallen lassen.
Die in der Regel auf 35% C erwärmte Extraktbrühe wird durch die hohle Achse des Fasses eingefüllt. Die Konzentration wird in gewissen Zeitabständen gesteigert. Weitere Verbesserungen der Gertechnik werden zur Zeit vor allem durch elektronische Steuerungen der Fässer und der Beimischung der Extraktbrühe erreicht.
Die mineralischen Gerbarten laufen ähnlich wie Pt. 3 Fassgerbung bei den pflanzlichen Gerbarten ab. Statt pflanzliche Extrakte werden mineralische Extrakte wie Chrom, Alaun, Zirkonium usw. verwendet.
|
|