Echtes Leder – eine feine Sache!!

Leder ist kostbar, es lebt, atmet und duftet. Es ist schmiegsam und weich, oder auch hart und höchst widerstandsfähig. Echtes Leder ist ein Stück Natur, nichts Künstliches, nichts Nachgemachtes. Man kann es deshalb nicht ersetzen, höchstens vortäuschen.

Leder ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst. Das Präparieren von Tierhäuten war eine der ersten handwerklichen Kunstfertigkeiten unserer Urahnen.

Die tiefgreifenden Umwälzungen, die sich in den letzten Jahrzehnten in allen Industriezweigen vollzogen haben, zeichnen sich auch im Lederhandwerk ab. Der entscheidende Schritt von der gewerblichen zur industriellen Fabrikation wird vor allem in der Gerberei sichtbar. Leder wird heute nach technisch und wirtschaftlich modernsten Gesichtspunkten hergestellt, und Besucher in Gerbereien sind oft nicht wenig erstaunt, keine Gruben mit Eichen- und Fichtenlohe mehr anzutreffen.

Leder ist so echt, so lebendig und so natürlich, wie die Rohhaut, aus der es hergestellt wird.

Und die Natürlichkeit ist ein Problem, das uns immer mehr zu schaffen macht. Unsere Kunden wünschen heute vielfach ein Naturprodukt, da dies trendig ist. Aber dieselben Kunden haben keinen Bezug mehr zur Natur. Da Leder nicht unbedingt billig ist, verlangt der Kunde ein makelloses Produkt. Die Natur ist aber niemals makellos.

Natur bedeutet Leben, Leben aber beinhaltet Gesundheit wie Krankheit, Verletzungen, Verwachsungen und andere mehr oder weniger grosse Einschränkungen der Makellosigkeit. Die Haut aber ist das Spiegelbild des Lebens. Schauen wir doch selber in einen Spiegel und halten eine Fotographie daneben, die vor 20 – 30 Jahren aufgenommen wurde. Wir sehen zumindest nicht mehr dasselbe Bild. Gleiches passiert mit der Tierhaut. Falten werden ausgeprägter, Kratzer hinterlassen Narben, Narben gibt es aber auch durch Schnitte, Insektenstiche usw. Aber auch die Sonne oder Krankheiten können Spuren hinterlassen. Um Echtheit vorzutäuschen, werden in synthetischen Materialien solche Spuren eingeprägt. An uns Fachleuten ist es, unsere Kundschaft über das einmalig schöne Produkt Leder aufzuklären. Wir werden staunen, wieviel Verständnis unsere Kundschaft schlussendlich aufbringt. Wir müssen uns nur die nötige Zeit für eine fachgerechte, kompetente Beratung nehmen.

Wie könnte eine Beratung für Möbelleder aussehen?

Viele Kunden sind durch Medienberichte verunsichert, ob sie überhaupt noch Leder kaufen können, oder ob sie sich ein gesundheitsschädliches Produkt in ihre Wohnung holen.

Die hauptsächlichsten Vorurteile gelten der Produktion und der Chemie. Dazu darf folgendes gesagt werden.

PCP Kontaminierung: PCP (Polychlorphenol) ist ein billiges und wirksames Fungizid gegen Pilzbefall sowohl der Rohhaut wie des gegerbten Leders. Es wird vor allem in Entwicklungsländern eingesetzt. In Europa wird dieses Mittel durch freiwillige Absprache unter den Gerbereien seit 25 – 30 Jahren nicht mehr verwendet, da es kanzerogen wirken kann. In der Schweiz und in der EU müssen die Importeure von Leder vom Hersteller eine Bestätigung haben, dass das Leder PCP-frei ist. Fertigprodukte wie Kleider, Schuhe, Taschen usw. werden immer mehr von Konsumentenorganisationen unter die Lupe genommen, während bei den Händlern und Importeuren durch die kantonalen Labors periodisch Stichproben entnommen werden.

Chromgerbung oder pflanzliche (vegetabile) Gerbung?

Bis und mit der Gerbung haben beide Gerbarten ungefähr die gleichen Faktoren betr. Umwelt. Bei der Zurichtung gelten für beide Gerbarten die gleichen Kriterien. Für die Umweltbelastung sind die verwendeten Chemikalien und nicht die Gerbart schuld. Für die Gerbung wird Chrom 3 und nicht Chrom 6, welches ein Oxidationsmittel ist und daher allergieverursachend sein kann, verwendet. Auch bei der Färbung ist die verwendete Farbe wichtig. Die umweltfreundlicheren, wasserlöslichen Farben ergeben zumindest im Abrieb schlechtere Resultate als lösungsmittelhaltige Farben.

Ein eher subjektiv zu bewertender Vorteil von vegetabilem Möbelleder ist der wärmere Griff. Dieser Vorteil kann aber durch eine dicke Farbschicht auch wieder zunichte gemacht werden. Gerade die Einfärbung kann überhaupt die Vorteile von Leder mindern, indem wir schlussendlich auf einer dicken, atmungsunfähigen, sogenannt pflegeleichten Farbe sitzen, und das Leder zu einer reinen Tragsubstanz degradiert wird.

Bei der Entsorgung dagegen ist pflanzlich gegerbtes Leder im Vorteil, weil es sich letztendlich sogar kompostieren lässt, vorausgesetzt dass die Farbe nicht schwermetallhaltig ist. Chromleder dagegen muss verbrannt werden. Dieser letzte Vorteil für pflanzlich gegerbtes Leder bewegt sogar die Autoindustrie, immer mehr auf solche Leder umzusteigen.

Viele Handwerker beklagen den hohen Preis des Leders. Wenn wir die Preisentwicklung von Leder in den letzten 50 Jahren mit derjenigen von anderen Naturprodukten vergleichen, ist Leder verhältnismässig günstig geblieben. Wir dürfen vor allem nicht den Hautpreis, welcher der Landwirt erhält, mit dem Lederpreis vergleichen. Die Haut ist erst ab Auktion ein Produkt mit Wert. Für den Gerber ist der Hautpreis ein sehr wesentlicher Faktor der Kalkulation. Ein an der Auktion erworbener I A Posten Häute, entspricht in der Realität nur zu einem Viertel einem 1.-klassigen Sortiment. Viele Schäden der Haut kommen erst nach dem Enthaaren oder nach dem Gerbvorgang zum Vorschein. Beim Durchgang durch eine moderne Gerberei, wird auch sofort klar, dass die grossen Investitionen in moderne Maschinen teuer sind. Die Kosten für den Umweltschutz, Abwasser, Luftfilter usw. werden immer höher. Die Gerberei ist ein Industriezweig ohne starke Lobby und somit werden diese Kosten immer voll auf den Verursacher abgeschoben, ja oft sollte er für Abwässer schuldig sein, die letztendlich nicht einmal aus diesen Betrieben kommen.

Trotz Mechanisierung und Rationalisierung ist die Handarbeit immer noch sehr gross. Ein Gerbereiarbeiter kann nicht einfach von der Strasse geholt werden. Es braucht fundierte Kenntnisse die zuerst erworben werden müssen. Kleinste Unachtsamkeiten in der Produktion wirken sich sofort negativ auf das Endprodukt Leder aus.

 

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